Die Geschichte des Reitsports 


Auch wenn die gezielte Ausbildung von Pferden erst in der Zeit der griechischen Antike interessant wurde, führen die Anfänge des Reitens bis zu 3500 Jahre v. Chr. zurück. Der Reitführer Xenophon, der Sohn einer wohlhabenden athenischen Familie, schuf um etwa 370 Jahre v. Chr. die vollständig erhaltene Reitvorschrift „Peri Hippikes“ („Über die Reitkunst“). Ihre ethischen Leitlinien sind noch immer gültig - und das, obwohl sich Xenophons Werk auf die Ausbildung von Kriegspferden bezieht. Bei den 71. Olympischen Spielen im Jahr 496 v. Chr. wurden Wettrennen ausgelobt und im römischen Reich wurden Reiterspiele veranstaltet. So erhielt der Reitsport immer mehr Einzug in die Welt. Ab dem 13. Jahrhundert entstanden die Ritterturniere, bei denen die Gegner im Galopp aufeinander zu ritten und versuchten, sich gegenseitig mit Lanzen oder Schwertern vom Pferd zu stoßen. Auch in Celle spricht man noch heute von diesen Ritterturnieren, sie fanden auf der Stechbahn (früher Steckelbahn) statt. Herzog Otto der II. oder auch der Großmütige von Braunschweig-Lüneburg (*1438/1439; †1471) soll hier von einem Pferd gestürzt und verunglückt sein. Das dort befestigte Hufeisen soll an dieses Unglück erinnern. Allerdings wurde die Geschichte nie schriftlich festgehalten, sodass das Ereignis ein Rätsel bleibt. Wenn das Rätsel um den Denkstein und das Hufeisen im Pflaster der Stechbahn vermutlich auch nie gelöst wird, lohnt es doch, sich ein Bild von den Ritterturnieren des Mittelalters zu machen, die diesem Platz im Zentrum Celles den Namen gaben.

Mit den Anfängen des Reitens und des Reitsports entwickelten sich gleichzeitig unzählige Reitarten und damit auch unzählige Sättel. Zu den bekanntesten Sätteln zählt zum Beispiel der Westernsattel, der aus dem Viehbetrieb entstammt. Er hat eine breite Auflagefläche, mit einem Horn; ein Sattelblatt, das in den Steigbügel übergeht und ist meist verziert. Auch die Vielseitigkeitssättel, die abhängig vom Schwerpunkt sind und ein nach vorne geschnittenes Sattelblatt besitzen, sind heute nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglichen sowohl den leichten Sitz, als auch den Sitz am Pferd und sind für alle Disziplinen zu gebrauchen. Natürlich gibt es für spezifische Disziplinen auch spezifische Sättel, wie den Dressursattel. Dieser ist für sein langes gestrecktes Sattelblatt bekannt und ermöglicht somit einen tiefen Sitz. Oder der Springsattel, der einen flachen Sitz, ein kurzes, nach vorn geschnittenes Sattelblatt und kurze Bügel hat. Bis zum 13. Jahrhundert saßen Frauen und Männer in gleicher Weise auf dem Pferd, mit Reithose. Ab dem 14. Jahrhundert kam dann der seitliche Sitz für adlige Damen infrage, bei dem sie auf die Reithosen verzichteten und auf Reitkleider zurückgreifen konnten. Bis aber der moderne Damensattel, so wie wir ihn kennen, entstanden ist, gab es Vorläufer wie den Sambue, den Gabelsattel und den Drei-Horn-Sattel bei denen es entweder an Stabilität, Komfort oder Ästhetik mangelte. Prägend für den modernen Damensattel ist der seitliche Sitz, bei dem die Schultern parallel zu den Schultern des Pferdes liegen. Beide Beine werden mithilfe von zwei Hörnern auf der linken Seite des Sattels gehalten.

Damensattel einer teilnehmenden Schülerin (Foto 2020)