Wirtschaftlicher Wandel: Technisierung löst das Pferd ab

Pferde dienten dem Menschen bereits vor Jahrtausenden als Zugtier. Im Laufe der Zeit war man ebenfalls in der Lage, diese als Transportmöglichkeiten zu nutzen. Darüber hinaus waren Pferde in der Gesellschaft sehr wichtig, da man diese in der Landwirtschaft brauchte, sprich für die Grundversorgung der Bevölkerung.
Außerdem spielten Pferde in Kriegen eine große Rolle, bis sie durch maschinell-betriebene Fahrzeuge abgelöst wurden.

Während des Zweiten Weltkrieges kamen beispielsweise 3.000.000 Pferde zum Einsatz. 
Die Erfindung der Dampfmaschine und die zunehmende Technisierung führten zwischen den 50er und 60er Jahren zu einem weitgehenden Ersatz von Pferden durch Maschinen.
Im Zuge dessen sank die Anzahl der gehaltenen Pferde drastisch ab. Pferde galten nun als reine Freizeitbeschäftigung.

Die Entwicklung des Nutztieres zum Sportpferd- Landgestüt Celle

Die deutsche Pferdezucht hat sich im Verlauf der Jahre von Grund auf verändert. Ein fundamentaler Faktor hinsichtlich der Entfaltung der Pferdezucht ist jedoch die Motorisierung im Bereich der Landwirtschaft. Die praktischen Fortschritte und neuen technischen Inventionen 1950, zum Vereinfachen der Feldarbeit, trugen konsequent zur Reduktion des Gebrauchs von Nutztieren in der Landwirtschaft bei. Folglich fiel also neben dem Militär der andere größte Abnehmer der Hengstzüchter weg. Dies löste eine Krise unter den Landgestüten aus, da diesen nun kaum Möglichkeiten für ihre Nutztiere übrigblieben. Somit waren die Landgestüte dazu gezwungen, zu schließen. Dadurch fielen die Bedeckungen der Landgestüte auf einen historischen Tiefstand. Um das Business wiederum aufrechtzuerhalten, setzten sich einzelne Landgestüte für die Veränderung der Zuchtmethoden ein. So begann die Zusammenarbeit des Celler Landgestüts mit der hannoverschen Zucht, wodurch die Entwicklung des Nutztieres hin zum Sportpferd in Gang gesetzt wurde.

Die zuvor erwähnte Schließung jeglicher Landgestüte ermöglichte es den Celler Beschälern, eine Blutauffrischung der Hengste durch neuen Zuwachs anderer gescheiterter Landgestüte durchzuführen. Hierbei wurden 1959 insbesondere die gut leistenden Hengste vom Celler Landstallmeister Stenglin ausgewählt. Damit wurde die Qualitätssteigerung der Celler Zuchthengste ausgelöst. Aufgrund des folgenden gewonnenen Wohlstands bot sich dem Landgestüt Celle die Möglichkeit, das eigene Gelände sowie die Ausrüstung auszubauen.

Heutzutage liegt der Fokus des Landgestüts hingegen nicht mehr hauptsächlich auf der Zucht der leistungsstarken Sportpferde, sondern auf den Methoden der Zucht und dessen Ausbesserung. In Bezug darauf war vor allem die 1973 entwickelte Zuchtmethode der künstlichen Besamung der Stuten anhand von Tiefkühlsperma ein großer Erfolg, den das Landgestüt Celle zum eigenen Vorteil nutze.

Veränderung der Gesellschaft durch den Wandel des Pferdes vom Nutztier zum Sportpferd

Durch die Ablösung der Landwirtschaft und des Militärs hatte die Hannoversche Allgemeine Zeitung im Jahr 1952 vorgeschlagen, Pferde nicht nur als Nutz-, sondern auch als Sportpferde zu halten. Folglich interessierten sich mehr Menschen für das Pferd als Sportpferd und der Reitsport wurde immer weiter ausgebaut. Die Gesellschaft nimmt dies sehr positiv auf und arbeitet unter der Woche viel, um an Wochenenden auf Reitturnieren erscheinen zu können. 

In dieser Zeit stieg allgemein der Wohlstand in der Gesellschaft sehr stark an, sodass die ländlichen Reitervereine mehr Menschen aus den Städten anzogen. Somit vollzog sich in dieser Zeit der Wandel innerhalb der Gesellschaft vom Nutz- zum Sportpferd und schlussendlich der Wandel hin zum Breitensport. Dennoch hat sich zu dieser Zeit ein großes Problem entwickelt, denn durch zunehmendes Interesse an Pferden wurden immer mehr Pferde des Gestüts von zahlungsfähigen Menschen abgekauft. Diese nutzen ihre Pferde dann privat als Sportpferde und somit hatte das Landgestüt Celle Schwierigkeiten die Pferde behalten zu können. Auch aus finanzieller Sicht wurde es immer schwieriger, die Kosten, die im Landgestüt Celle anfielen, decken zu können.

Mit der Zeit wurde aber die künstliche Fortpflanzung der Pferde weiter erforscht und es haben immer mehr künstliche Besamungen stattgefunden, sodass das Abkaufen der Pferde ausgeglichen werden konnte und das Landgestüt Celle wieder genug Pferde auf dem eigenen Hof hatte.

Im Jahr 1987 haben erstmalig öffentliche Hengst-Turniere stattgefunden, wodurch das Sportpferd noch weiter in die Celler Gesellschaft integriert wurde. Daraufhin wurde die Pferdezucht international immer mehr anerkannt und die Länder nutzten die Pferde immer mehr als Sportpferde und nicht nur als Nutzpferde. Als die Deckzahlen wieder weiter gestiegen sind, zeigten 1996 immer mehr Frauen aus Celle Interesse am Reitsport und ein Großteil von ihnen war sogar im Landgestüt tätig. 1997 hat die Europameisterschaft der Dressurreiter in Verden stattgefunden, was dazu führte, dass der Reitsport sich in der Celler Gesellschaft noch mehr ausbreitete.